25. Mai 2017 in Veranstaltungen

Ausstelllung: "Ertragen können wir sie nicht." Martin Luther und die Juden

Ausstelllung: "Ertragen können wir sie nicht." Martin Luther und die Juden
Art: Ausstellung
Datum: 12. April bis 25. Juni 2017
Zeit: samstags, sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr
Ort: Museum Jüdischer Betsaal Horb

Das Nachdenken und Forschen über die Frage Wie konnte die Shoa geschehen? macht sensibel. Es prädestiniert die Gedenkstätten, sich in die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 500. Jahrestag des Beginns der Reformation einzumischen und sich mit der Person Martin Luthers und seinem Hass auf die Juden intensiver zu beschäftigen.

Micha Brumlik, der ehemalige Leiter des Fritz-Bauer-Instituts, plädiert dafür, dass sich auch Juden einmischen und daran erinnern, was Luthers Lehre für Juden vom 16. Jahrhundert bis heute bedeutete. In bezug auf Luthers Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ betont Micha Brumlik wie schon der Philosoph Karl Jaspers 1962, dass kein Zweifel daran bestehen können, „dass diese Schrift – mit Ausnahme der Gaskammern – eine Blaupause all jener verbrecherischen Maßnahmen – von der Verbrennung von Synagogen über die Zwangsarbeit bis hin zur Vertreibung – enthält, die das nationalsozialistische Deutschland Europas Juden antat.“

Josel von Rosheim (1476–1554), zu Luthers Lebzeiten Sprecher und Anwalt der jüdischen Gemeinden in Deutschland, war ständig mit Verleumdung, Vertreibung, Raub und Mord konfrontiert. Er trat den Lügen über Ritualmorde und Hostienschändungen entgegen und riskierte sein Leben, um jüdische Menschen zu retten. Unterstützt vom Straßburger Reformator Wolfgang Capito suchte er 1537 das Gespräch mit Martin Luther, das dieser verweigerte. Die zitierte Hetzschrift von Luther führte nach 1543 zu Mord und Totschlag. Josel von Rosheim konnte verhindern, dass die Schrift in Straßburg nachgedruckt werden durfte. So wurden Menschenleben gerettet.

Die 12. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland – also das Parlament der Evangelischen Kirche – hat schon im November 2015 in Bremen eine grundlegende Erklärung unter dem Titel: „Martin Luther und die Juden – notwendige Erinnerung zum Reformationsjubiläum“ verabschiedet, die auch aus der Sicht der jüdischen Familien, der jüdischen Gemeinden sehr zu begrüßen ist.
In Erklärung heißt es unter anderem:
„Luther verknüpfte zentrale Einsichten seiner Theologie mit judenfeindlichen Denkmustern.“ „Zwischen Luthers frühen Äußerungen und seinen späten Schriften ab 1538 mit ihrem unverhüllten Judenhass besteht eine Kontinuität im theologischen Urteil über die Juden. Im Judentum seiner Zeit sah er eine Religion, die ihre eigene Bestimmung verfehlt. Sie lasse sich von der Verdienstlichkeit der Werk leiten und lehne es ab, das Alte Testament auf Jesus Christus hin zu lesen. Das Leiden der Juden sei Ausdruck der Strafe Gottes für die Verleugnung Jesu Christi.“ „Wir stellen uns in Theologie und Kirche der Herausforderung, zentrale theologische Lehren der Reformation neu zu bedenken und dabei nicht in abwertende Stereotypen zu Lasten des Judentums zu verfallen.“ „Das weitreichende Versagen der Evangelischen Kirche gegenüber dem jüdischen Volk erfüllt uns mit Trauer und Scham.“ „Das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 gibt Anlass zu weiteren Schritten der Umkehr und Erneuerung.“

Jede Pfarrerin und jeder Pfarrer, jeder Kirchengemeinderat, sollte diese Erklärung in seiner Gemeinde verteilen und mit den Gemeindemitgliedern diskutieren. Pfarrer Dr. Michael Volkmann, der Beauftragter der Evangelischen Landeskirche in Württemberg für das Gespräch zwischen Christen und Juden, hat eine Ausstellung der Nordkirche gefunden, die sich kritisch und grundlegend mit der Haltung von Martin Luther zum Judentum und zu seinen jüdischen Mitmenschen auseinandersetzt, Die Synagogengedenkstätten im Gedenkstättenverbund Gäu-Neckar-Alb haben sich entschlossen, diese Ausstellung in möglichst vielen Orten mit Synagogenvereinen zu zeigen und sie durch unsere eigenen Forschungen zu ergänzen.

Ausstellung der Nordkirche: „Ertragen können wir sie nicht.“ Martin Luther und die Juden
Öffnungszeiten: 12. April bis 25. Juni 2017. Samstags und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr
Ausstellungsort: Museum Jüdischer Betsaal Horb, Fürstabt-Gerbert-Str. 2 (beim Ihlinger Tor).
Gruppen nach Vereinbarung. Tel. 0 74 51/62 06 89

Ausstellungseröffnung: Mittwoch, 12. April um 20.00 Uhr, mit einem Vortrag von Prof. Dr. Matthias Morgenstern, Tübingen, zum Thema: Luthers judenfeindliche Schriften aus heutiger Sicht.

Eintritt frei.

Eintritt: frei
Adresse: Fürstabt-Gerbert-Str. 2, 72160 Horb (beim Ihlinger Tor)
Weitere Informationen: Ausstellungseröffnung: Mittwoch, 12. April, 20.00 Uhr.